Politikbeobachtungen aus Europa

Die Ampel bleibt aus

Webseite Foodwacht.de)
So hätte die Ampel aussehen sollen (Photo: Webseite Foodwacht.de)
Mit großer Mehrheit hat sich das EU-Parlament gegen die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln entschieden. Befürworter und Organisationen wie Foodwatch werfen der Lebensmittelindustrie starken Lobbyismus vor. Von bis zu einer Milliarde Euro ist die Rede, die die Lobbyisten ausgegeben haben sollen, um die Ampel zu verhindern. Was hat es nun auf sich mit dieser Ampel, die jetzt doch außer Betrieb bleibt? Eines gleich vorneweg: Die Ampel hätte uns nie gesagt, ob ein Produkt gesund oder nicht gesund ist. Sie sollte nur Auskunft geben, wie viel Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker in dem Lebensmittel stecken. Um es auf den Punkt zu bringen, es sollte klar werden, ob Sie davon fett werden oder nicht, wenn Sie sich damit übermäßig ernähren. Schon aus diesem Grunde ist klar, warum der Bioapfelsaft beim Zuckergehalt ein Rot bekommen hätte und bei einer Cola light oder Zero die Ampel Grün gewesen wäre. Wenn Sie 2 Flachen Bio-Apfelsaft am Tag trinken würden, dann hätten Sie sicher mehr Kalorien zu sich genommen wie bei 2 Flaschen Cola light.
Daran ist die Ampel auch gescheitert, denn jeder hatte das Gefühl, alles Grün bedeute auch alles OK und gesund für mich. Damit aber war der Vergleich am Beispiel zwischen Apfelsaft und Cola light gescheitert, was die Ampel letztlich kippte. Über die Wirksamkeit von Kennzeichnungen auf das Kaufverhalten kann man lange debattieren und noch länger philosophieren. Denn die Verpackung von Zigaretten zeigt uns ziemlich deutlich, dass die Kennzeichnung und die Androhung von negativen gesundheitlichen Folgen nur einen sehr geringen Einfluss auf das Kaufverhalten hat.
To make a long story short: Ob mit oder ohne Ampel, die Bevölkerung wird nicht dünner und nicht dicker mit der Kennzeichnung. Denn über das Konsum- und Essverhalten scheinen Warnungen und Hinweise auf den Verpackungen nicht zu entscheiden. Wer schlankere Kinder will, muss bei der Erziehung anfangen und muss die Eltern motivieren, gesünder und nährstoffärmer zu kochen. Dass solche Versuche eine Sisyphus-Arbeit sein können, davon weiß der englische Starkoch Jamie Oliver ein Lied zu singen. Seit Jahren versucht er Eltern und Kinder erst in England, jetzt in den USA von einer gesunden, ausgewogenen Ernährung zu überzeugen und scheitert immer wieder grandios. Es scheint, als ob heute keine Zeit mehr wäre für frisch Gekochtes. Die Wachstumsraten der Convenience-Food Branche machen deutlich, dass Kochen aus der Packung häufig den Vorzug erhält. Oder wie es mein Nachbar so treffend formulierte: „Bei uns kocht Picard“. Picard ist die bekannteste französische Tiefkühlkette, die in jeder Stadt mehrere Filialen unterhält und die jedes Kind in Frankreich kennt. Es macht deutlich, dass es mit Ampel oder jeder anderen Art der Kennzeichnung nicht getan ist. Denn was das EU-Parlament jetzt beschlossen hat, ist in Frankreich längst Realität. Es stehen die Kalorien, der Zucker- und der Fettgehalt pro 100g oder 100 ml auf jeder Verpackung und auch, wie viel Prozent des täglichen Verbrauches damit gedeckt sind. Seit dies aufgedruckt ist, ist der Konsum allerdings in keinster Weise zurückgegangen und auch die Menschen kaufen deswegen nicht bewusster ein. Die Aufregung über die gescheiterte Ampel ist lediglich das Wundenlecken der Verlierer, denn eines steht für mich fest: Den Kampf um eine gesunde und nährstoffangepasste Ernährung gewinnt man nicht im Supermarktregal, sondern nur in den Köpfen der Menschen und dazu braucht es Aufklärung. Aufklärung und auch die finanzielle Ausstattung der Familien, um sich mit den dementsprechenden Lebensmitteln eindecken zu können. Es wird auch in Zukunft so sein, dass wir im Durchschnitt immer dicker werden, ob mit oder ohne Ampel, ist da auch schon egal. Die Hoffnung der Ampelbefürworter, dass, wenn die Ampel eingeführt worden wäre, alles anders geworden wäre kann von den Briten, die die Ampel haben, allerdings bis jetzt nicht bestätigt werden. Meine persönliche Meinung: Wenn die Ampel auch nichts gebracht hätte, sie hätte auch nichts geschadet.

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